Dark Room Yarn in Schmilka

„Hallöle“ begrüßt uns die Tankwartin, die genauso ein Einzelstück ist, wie die Tankstelle, an der Patricia und ich Halt machen. Eine Dynamo Dresden Fantankstelle. Während sie noch das Auto betankt, bestelle ich mir schon einen Cappuccino zum Mitnehmen. „Dorf da no was Süßes nei oder geht der ohne alles raus?“ Ich muss grinsen und nehme gern noch was Süßes rein. Patricia steht schon hinter mir als die Tankwartin sie anspricht: „Und Ihnen darfsch de Eins abknöbbn?“ Sie bestätigt, als sie erneut gefragt wird: „Und de Buchhaltung mit dazu?“ Glucksend bejaht sie die Frage und nimmt den Kassenbon entgegen. Es ist wohl klar, wessen Bühne dieser Laden ist. Wir verlassen lachend die Tanke und starten in unser Wochenende, dem Dark Room Yarn Workshop mit Juliana Socher und Simone Heller.

Am nächsten Morgen geht es schon direkt los mit der Frage: "Was sind Geschichten und warum brauchen wir sie?" Am besten gefällt mir die Antwort: "Um das Chaos in Schach zu halten."  Tja und dann gehts nach spannender Theorie auch gleich in die Praxis mit Fotografien längst vergangener Zeiten - alten Flohmarktfunden. Wir dürfen uns anhand von Bildern, mit Menschen, die wir nicht kennen Geschichten ausdenken. Gar nicht mal so leicht für mich. Hier zeigt sich mein sprunghaftes Wesen wieder einmal von seiner besten Seite und hüpft von einer Idee zur nächsten, so dass ich am Ende schweigend den Geschichten der Anderen lausche und meine Fragmente mit einem Grinsen lieber für mich behalte.

Am Sonntag erfreut mich die Aufgabe, jemanden aus unserer Gruppe zu portraitieren sehr und so machen wir uns auf den Weg in die Berge von Schmilka. In der einen Hand ein Blatt mit Notizen, auf dem Fragen stehen, wie: "Wie wünscht Du Dir, dass Leute Dich sehen würden?" oder "Was wäre, wenn die oder der Portraitierte, die Fähigkeit hätte, mit der Umgebung zu verschmelzen?" In der anderen Hand die Kamera und ein ungewohntes Gefühl sich mit Fragen an ein Bild zu tasten. Meine Herangehensweise ist ja eher die Gefühlsebene und das Sich-rein-fallen-lassen. Und wieder einmal begleiten mich die Märchen, als ich das Bild von Tim mache, dem Waldkönig, dessen Zuhause die dichten Wälder von Schmilka sind.

Nach unserem Streifzug im Wald sitzen wir wieder in der Mühlensuite Nº 7 und besprechen unsere Ergebnisse. Alle haben Fotografien im Gepäck, die mich staunen lassen. Jeder ist mit seiner Bildsprache so einzigartig, dass es eine große Freude ist sie zu betrachten. Und wie sich herausstellt stand Tim in vergangen Zeiten auf der Bühne, oft in der Rolle eines Königs. Wir besprechen das Fotografenyoga und dass es sich lohnt die Querulanten auf Hochzeiten ausfindig zu machen und sie festzuhalten, einfach mal das Publikum irritieren. Erwarte das Unerwartete. Wieviel Humor haben meine Paare und bin ich offen für alle Blickwinkel und erzähle Geschichten, die die anderen nicht sehen können? Fest steht, dass ich als Fotografin in einer mächtigen Erzählerrolle bin und eine große Verantwortung für meine Kunden trage. Die Reihen in meinem Kopfkino sind voll besetzt mit neue Gedanken und so verlassen wir Schmilka mit rundem Zwiebelkuchenbauch. Nach dem Workshop wird mir klar, dass sich ein neues Feld der Möglichkeiten für mich eröffnet hat. Ich bin ganz gespannt auf meine Hochzeitssaison und wie es mir gelingt das Gelernte in die Theorie umzusetzen.

Lebendige Fotografie ausm Spreewald

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